Aschermittwochs-Gespräch 2020

Humorvoller Blick auf ernste Lage der Welt

Gladbeck, 28.02.2020 - Beim inzwischen 25. Aschermittwochs-Gespräch der Volksbank Ruhr Mitte war CDU-Politiker Wolfgang Bosbach zu Gast. Rund 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kamen zu der Veranstaltung.

Zur 25. Auflage der Aschermittwochs-Gespräche hatte die Volksbank einen prominenten Gastredner eingeladen: CDU-Politiker Wolfgang Bosbach warf unter dem Motto „Die tollen Tage sind vorbei. Oder gehen sie doch weiter – in Berlin, Europa und der Welt?“ einen Blick weit über Gladbeck hinaus. Volksbank-Vorstand Ingo Abrahams freute sich besonders, in „politisch spannender Zeit“ den CDU-Politiker im neuen Veranstaltungssaal der Bank begrüßen zu können. „Wir hatten keine hellseherischen Fähigkeiten, es passt aber hervorragend“, spielte er auf die derzeitige Debatte rund um den CDU-Vorsitz und die damit verbundene Kanzlerkandidatur an.

Bosbach habe Eigenschaften, die für Politiker selten geworden seien, er stehe für Humor und klare Kante, sagte Abrahams in seiner Begrüßung. Der 67-Jährige bedankte sich „für die lieben Worte“. „Kaum hat man aufgehört, werden die Menschen so freundlich“, sagte Bosbach, der bis Ende 2017 für die CDU im Bundestag saß – und hatte so gleich die rund 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf seiner Seite.

Bosbachs kurzweilige und unterhaltsame Rede verband komische und politische Aspekte mit Aussagen wie „Konfetti im Karneval ist bunt. Eine Farbe werden sie darin nie finden: braun. Und das wird auch so bleiben.“

Auch er beglückwünschte die Volksbank zu ihrem Timing, einen CDU-Politiker gerade in diesen Tagen zu Gast zu haben – und ging dann auch gleich auf die Kandidaten für den Parteivorsitz und das Kanzleramt ein. „Das Rennen ist aus meiner Sicht offen“, so der ehemalige stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Kritisch stellte er fest, dass die häufige Aussage, dass es nach einer Wahl von den Stimmen her immer für eine Große Koalition reiche, im Jahr 2020 erstmals nicht mehr gelte.

Neben einem Umriss der politischen Stabilität und der schwierigen Regierungsbildung auch in anderen europäischen Ländern sprach Bosbach das Thema Wirtschaftskraft an. Ohne sie könne auch der Sozialstaat nicht weiter ausgebaut werden. „Wir schulden nicht nur denjenigen soziale Gerechtigkeit, die staatliche Sozialleistungen bekommen, sondern auch denjenigen, die jeden Tag von morgens bis abends zur Arbeit gehen und so dafür sorgen, dass die Sozialleistungen gezahlt werden können.“

In dem Zusammenhang merkte er an: „Dass der Spitzensteuersatz für Spitzenverdiener gilt, das war einmal.“ Nicht mehr, wer das Zwanzigfache des Durchschnittsverdienstes bekomme, müsse diesen zahlen, sondern heute auch schon derjenige, der das 1,5-fache verdiene. Das führe zu Verärgerung. So sei es auch seiner Tochter ergangen, als sie nach dem Start ins Berufsleben auf ihre erste Gehaltsabrechnung blickte, erzählte der Bergisch-Gladbacher und gewährte den Gästen des Aschermittwochs-Gesprächs so – wie auch an einigen anderen Stellen – auch private Einblicke.

In seiner Rede, in der der 67-Jährige nicht nur auf die vergangenen 70 Jahre deutscher (Politik-)Geschichte blickte, sondern auch auf Themen wie die zunehmende Digitalisierung, ihre Herausforderungen, Nachteile und Vorteile, kam der Rechtsanwalt auch auf die EU zu sprechen. Die Einwohnerzahlen im Vergleich zu denen in China und Indien seien nur ein Bruchteil. „Entweder wir machen gemeinsam Politik in der EU, oder wir verlieren dramatisch an Gewicht.“

Es wäre schade, wenn der Gründungsgedanke der Vereinigung – in Freundschaft aufeinander zuzugehen anstatt mit Waffen aufeinander loszugehen – an Bedeutung verlöre. Er forderte zudem zu einer verstärkten Investition in Bildung auf. „Die Anforderungen an die Arbeitnehmer haben sich geändert. Es kommt immer mehr auf Wissen denn auf körperliche Anstrengung an.“

Gäste beim traditionellen Heringsstipp

Bürgermeister Ulrich Roland, der bei der Kommunalwahl im September nicht mehr antreten wird und so das letzte Mal mit einem Grußwort als Redner in die Aschermittwochs-Bütt stieg, erinnerte sich an die Worte, die Wolfgang Bosbach zu seinem Abschied im Bundestag gehalten hatte. Damals riet er den Parteien, bei allen Auseinandersetzungen im Wahlkampf immer ordentlich miteinander umzugehen. „Dem ist nichts hinzuzufügen“, so Roland.

Nach den Beiträgen und einer anschließenden Diskussionsrunde waren die Gäste zum traditionellen Heringsstipp eingeladen.

Quelle: WAZ Gladbeck