Aus der Finanzmarktkrise gestärkt hervorgegangen

Volksbank Ruhr Mitte übt zehn Jahre nach der Lehman-Pleite Bilanz – Kritik an Politik und Aufsehern

Dr. Peter Bottermann, Vorstandssprecher der Volksbank Ruhr Mitte

Gelsenkirchen - Vor zehn Jahren, am 15. September 2008, meldete die US-Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz an und löste eine weltweite Finanzmarktkrise aus. „Die Volksbank Ruhr Mitte hat die Krise jedoch unbeschadet überstanden, und sie stand dem regionalen Mittelstand in den vergangenen zehn Jahren jederzeit verlässlich zur Seite“, zieht Dr. Peter Bottermann, Vorstandssprecher der Volksbank Ruhr Mitte, anlässlich des zehnten Jahrestages der Lehman-Pleite Bilanz. Risiken am US-Hypothekenmarkt sei man gar nicht erst eingegangen. „Besonders zu schätzen wissen unsere rd. 47.000 Genossenschaftsmitglieder, dass wir, genau wie alle anderen deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, keine Staatshilfen in Anspruch nehmen mussten und damals wie heute vor Ort unsere Steuern zahlen“, so Dr. Peter Bottermann.  

Kritisch bewertet Dr. Bottermann die Wirkung der Bankenregulierung seit der Krise: „Das erklärte Ziel der Politik war ja, nie mehr systemrelevante Banken mit Steuergeldern zu stützen. Dennoch erleben wir weiterhin Bankenrettungen – beispielsweise 2017, als Milliarden Staatsgelder in die italienische Bank Monte Dei Paschi flossen“, kritisiert der Volksbank-Chef. Da börsennotierte Großbanken weiter damit rechnen können, im Krisenfall vom Staat gestützt zu werden, hätten sie einen starken Anreiz, zu expandieren und erhöhte Risiken am internationalen Kapitalmarkt einzugehen. Deswegen sei der Marktanteil der fünf größten Banken in der Eurozone seit 2008 von 44 Prozent auf 48 Prozent gestiegen. Um dem entgegenzuwirken, müssten Politik und Bankenaufsicht eine Regulierung schaffen, die stärker als bisher zwischen großen international tätigen und kleineren Regionalbanken differenziert.

„Das bedeutet auch, solide Regionalinstitute, die kein Systemrisiko darstellen, von übermäßig
bürokratischen Vorschriften und Meldepflichten zu befreien“, fordert Dr. Bottermann. 

„Positiv sind die alle Banken betreffenden Vorschriften zur Eigenkapitalstärkung zu
bewerten“, sagte Dr. Bottermann. „So verfügen wir auch im 135. Jahr unseres Bestehens weiterhin über Reserven, die über den gesetzlichen Anforderungen liegen.“ 

Negativ zu spüren bekommen die Bankkunden den Renditeverfall von klassischen (Bank-)Anlagen. Durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank haben sich zwar einige Anleger für eine breitere Streuung des Vermögens, auch mit Aktienbeimischung, entschieden. Ein Wandel in eine regelrechte Aktienkultur, wie es die Anleger z. B. in den USA betreiben, hat hier nicht stattgefunden. „Ein Ende der Zinspolitik sowie die langfristigen negativen Auswirkungen gerade auch für die zusätzliche private Altersvorsorge sind derzeit noch nicht absehbar“, sagte Dr. Bottermann.

Die aufsichtsrechtlichen Anforderungen wirken sich auch nachteilig auf die Umwelt aus. So hat der Umfang verpflichtender papierhafter Verbraucherinformationen immens zugenommen. Beispielhaft ist nur die jährliche Pflichtmitteilung zur Einlagensicherung zu nennen. Mittelfristig rechnen wir mit weiteren Auflagen und einer Zunahme von behördlichen Anforderungen.