Digitale Welt steckt voller krimineller Gefahren

LKA-Experte Peter Vahrenhorst mahnte beim 24. Gladbecker Aschermittwochgespräch der Volksbank zu mehr Sensibilität im Umgang mit dem Internet.

Gladbeck, März 2019 - Die Welt wird immer digitaler, immer mehr Dinge des Alltags erledigt der fortschrittliche Mensch online – doch damit steigen die kriminellen Gefahren. Denn auch die Ganoven werden immer digitaler. Vor den vielfältigen Bedrohungen der Internet-Kriminalität, „Cyber Crime“ genannt, warnte gestern beim traditionellen Aschermittwochsgespräch der Volksbank Ruhr Mitte Peter Vahrenhorst, Kriminalhauptkommissar und Internet-Experte des Landeskriminalamtes (LKA). Er forderte die Zuhörer zu mehr Sensibilität im Umgang mit dem Internet und zu mehr Prävention auf.

Vahrenhorst nahm die mehr als 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in einem spannenden und kurzweiligen Vortrag mit auf eine Reise in die digitale Welt, in „unsere Alltagswelt“, die voller Risiken stecke, wie er betonte. „Ich will keine Angst schüren, aber ein anderes Bewusstsein schaffen, weil das Internet riesengroß ist und wir es nicht mehr verstehen, sondern nur nutzen“, sagte er.

Der Experte wies darauf hin, dass vieles von dem, was wir tun, im Netz registriert und im schlimmsten Fall von Kriminellen genutzt werde. „Ein neues Smart-T ist heute, verbunden mit dem Internet, eine Wohnraumüberwachung, ein modernes Auto, ein rollendes Netzwerk, das Daten vielfach austauscht“, so der Hauptkommissar. Sprechende Puppen im Spielzimmer, der digitale Kühlschrank, das Handy und „Alexa“ sowieso griffen Informationen und Verhaltensmuster ab, die im Internet kursieren. Er warnte auch vor unbewusster Nutzung von Clouds: „Da begibt man sich in Abhängigkeiten, da man aus Clouds nicht mehr rauskommt.“ Vahrenhorst: „Das alles ist ein gefundenes Fressen für Straftäter.“ Die verlagerten einen Großteil ihrer kriminellen Aktivitäten ins Netz. Viele Sicherheitsvorkehrungen seien zu gering, Smartphones verfügten oft nicht einmal über einen Virenscanner.

Und selbst bei viel Schutz bleibe ein Restrisiko, dessen man sich bewusst sein müsse. „Kein IT-Sicherheitsexperte kann 100-prozentigen Schutz bieten.“ Vahrenhorst wies darauf hin, dass nicht grundsätzlich die IT-Technologie schlecht sei. Schlecht werde sie durch den Menschen, der sie anders, falsch oder im äußersten Fall kriminell nutze. Am Ende würde der normale „User“ ausgenutzt. Um Missbrauch einzudämmen sei ein verhaltener, umsichtiger Umgang jedes einzelnen, aber auch viel Aufklärung, Schaffung von Risikobewusstsein nötig. Aber auch eine Zusammenarbeit und ein Austausch etwa von Behörden, Unternehmen, Verbänden und Forschung seien nötig, um gegensteuern zu können. Letztlich brauche man viele Spezialisten, etwa beim LKA, das inzwischen mit einem 160-köpfigen Team gegen Cyber-Crime vorgehe.

Volksbank-Vorstand Ingo Abrahams hatte bereits bei seiner Begrüßung auf Vorsichtsmaßnahmen auch gerade im Bankenbereich hingewiesen: 50 Prozent aller Bankkunden seien heute bereits online mit ihrer Bank in Kontakt, 70 Prozent aller Überweisungen erfolgten online. „Sorgen vor Cyber-Gefahren sind nicht von der Hand zu weisen, Sicherungsaktivitäten nötiger denn je.“ Eine Herausforderung, der sich die Kreditinstitute seit langem stellen, so Abrahams.

Auch Bürgermeister Ulrich Roland hatte in seinem Grußwort zu Wachsamkeit und Aufklärung aufgerufen. Er wies auf das Phänomen der „Social Bots“ hin – Software-Roboter, die politische Stimmungen im Internet erzeugen „und damit die Demokratie gefährden“, so Roland mit Blick auf Erkenntnisse, dass solche „Bots“ die Europawahl im Mai manipulieren könnten.

 

Text: WAZ, Gladbeck